RGH unterliegt in ungleichem Harbigwegderby deutlich

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Mit einer 97-3 Auswärtsniederlage endete das Aufeinandertreffen der RG Heidelberg und dem Straßennachbarn Heidelberger RK am vergangenen Samstag im Harbigweg, welches bereits in den Tagen vorab für intensiven Diskussionsstoff in Rugbydeutschland gesorgt hatte. Die Rudergesellschaft schickte in diesem Spiel eine sehr jungen Mannschaft gegen den mit etlichen 15er-Nationalspielern gespickten Nachbarn aufs Feld - nahezu eine komplette Start-Fünfzehn der deutschen Nationalmannschaft stand den jungen Orange Hearts dabei gegenüber. RGH-Trainer Finsterer verzichtete dabei auf zahlreiche Leitungsträger und 7er-Nationalspieler aus den eigenen Reihen, um diese sowohl für die DHL Oktoberfest 7s als auch für die anstehenden Aufgaben in Pokal und Bundesliga zu schonen - zumal einige der Spieler in den Tagen und Wochen vor der Partie bereits angeschlagen aufgelaufen waren.

Gasse Rugby-Bundesliga RG-Heidelberg Ruderklub 2017 Cvaf Rhein-Neckar-Zeitung

Doch die junge RGH-Truppe verkaufte sich gut, standen um Spieler wie Justin Caracciolo oder Nils Schindler durch die Bank weg durchaus erfahrene Akteure auf dem Feld, die sich bereits ihre Sporen in der Rugby Bundesliga sowie zuletzt bei der U 20 EM in Rumänien verdient hatten oder im englischen und walisischen Spielbetrieb teilgenommen haben. Dennoch ist der Hergang der Partie schnell erzählt: den schnellen und physisch starken sowie spielerisch deutlich überlegenen Angriffen des HRK hatte die Rudergesellschaft nichts entgegen zu setzen. Aufgrund der nicht vorhandenen Auswechselspieler (Finsterer verzichtete auf Spieler ohne Bundesligaerfahrung) musste die RGH ab der 2. Halbzeit zunächst zu 14., ab der 60. Minute dann sogar nur noch zu 13. die Partie zu Ende bringen, als man die Verletzungen von Neuzugang Jacob Scheurich und Lennard Herlyn nicht kompensieren konnte.

Zwar schwächte sich der Heidelberger RK durch eine rote Karte auf Grund zweier Unsportlichkeiten selbst, jedoch hatte dies keine Auswirkungen oder Vorteile für die Gäste der Rudergesellschaft. Eben jene groben und vor allem unnötigen Unsportlichkeiten seitens der Gastgeber - nicht die ersten in der Bundesliga-Geschichte des Ruderklubs - veranlassten einige Anhänger zur lautstarken Unmutsbekundungen in Richtung Spielfeld. Dies als Grund für die Unsportlichkeiten der gastgebenden Akteure anzuführen ist jedoch schlicht realitätsfern, auch falls einige Äußerungen nicht dem Geiste des Rugbysports und somit den Werten den RG Heidelberg entsprochen haben sollten.

Als Fazit zu dieser von unterschiedlichen Seiten als Farce bezeichneten Begegnung bleibt sich die Fragen zu stellen, welche Weichenstellungen hierzulande notwendig sind, um sowohl die deutschen Nationalmannschaften international Wettbewerbsfähig als auch die nationalen Ligen für Mannschaften und Zuschauer attraktiv, nachhaltig und tatsächlich als Wettbewerb zu gestalten.

Ja, eine Nationalmannschaft benötigt Spielpraxis - ist es jedoch der richtige Weg, diese in der eigenen, heimischen Liga zu suchen? Welchen sportlichen Wert hat dieser Wettbewerb dann tatsächlich und ganzheitlich betrachtet noch und ist das Leistungsniveau angemessen? Welcher Verein würde sich denn nicht über die tatkräftige Unterstützung einer Förderorganisation des nationalen Rugbysports freuen und diese annehmen? Ist eine Konzentration des Gros des Auswahlkaders auf einen Klub der richtige Ansatz? Und was können Vereine und Verband tun, um sich gegenseitig zu fördern, die nächsten Schritte zu gehen und positive Entwicklungen anzustoßen?

Ja, eine Mannschaft, die dermaßen außer Konkurrenz eine Liga dominiert ist kein Gewinn für einen nationalen Spitzenwettbewerb - die "Schuld" lediglich bei diesem einen Verein zu suchen, ist aber sicherlich auch der falsche Ansatz.

Am kommenden Wochenende steht für die RGH die nächste Partie auf dem Plan, diesmal in der ersten Runde des DRV-Pokals bei den Rugby Tourists aus Münster.

 

Für die RGH punkteten:

Straftritt: Müller

 

Für die RGH spielten:

1 Dickinson, Caracciolo, 3 Uebelhoer, 4 Herlyn, 5 Großkopf, 6 Schindler, 7 Siekman, 8 Hug, 9 Scheurich, 10 Müller, 11 Günther, 12 Berry, 13 Pfisterer, 14 Fromm B, 15 Bayram B